Vergilbt, verfärbt, verschmutzt: So reinigt man alte Fotoschätze

Egal ob Hochzeiten, Geburtstage oder der erfolgreiche Universitätsabschluss – wir halten die wichtigsten Augenblicke unseres Lebens auf Fotos fest. Auch Erinnerungen an tolle Urlaube, verflossene Liebschaften oder die beste Freundin aus Jugendzeiten haben einen wichtigen Platz in unserem Leben. Mit ihnen und durch sie können wir jederzeit die Erinnerung an längst vergangene Zeiten und wunderbare Erlebnisse wiederaufleben und lebendig werden lassen. Doch leider verlieren selbst die pfiffigen Steppkes, die mit der bunten Schultüte im Arm „stolz wie Bolle“ vor der Schule posieren, über die Jahre neben den Farben auch den Glanz. Wie sie Ihre Fotoschätze reinigen und aufarbeiten können, zeigen wir Ihnen in diesem Artikel.

Ob Fotopapiere, Dias oder Negativfilme – all diese Materialien sind unweigerlich einem Alterungsprozess ausgesetzt. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine möglichst frühzeitige Digitalisierung. Wir erklären, wie Du Deine Bilder von starken Verschmutzungen befreien und neue Ausdrucke länger haltbar machen kannst.

FotoschätzeBilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte: Sie sind nicht nur unwiederbringliche Erinnerungen an bedeutende Momente, sondern auch Einblicke in längst vergessene Zeiten. Besonders auf dem Dachboden und im Keller finden sich häufig persönliche Schätze wie zum Beispiel alte Familienfotos oder Aufnahmen aus der eigenen Kindheit beziehungsweise Jugend. Egal wie gut die Kameratechnik auch war, ob mit Spiegelreflexkamera oder Einwegkamera erstellt, der Alterungsprozess der Fotos ist unaufhaltsam. Er kann verzögert werden aber gänzlich zu stoppen ist er nicht.

Nach jahrzehntelanger Lagerung sind diese Zeitdokumente womöglich schon stark verschmutzt, ausgeblichen, rissig und verfärbt. Weisen Deine Abzüge, Dias und Negative solche Verfallserscheinungen auf, führt kein Weg mehr an einer baldigen Digitalisierung vorbei. Davor sollte man das Bildmaterial jedoch schonend reinigen, um eine optimale Qualität zu erzielen.

Vor der Reinigung von alten oder historischen Fotos sollte man diese unbedingt einscannen, damit man im schlimmsten Fall einer Beschädigung zumindest eine digitale Kopie hat.

Groben Schmutz entfernen

Dicke Staubschichten, die sich infolge einer offenen Aufbewahrung auf den Fotos abgelagert haben, lassen sich im Idealfall mühelos mit einer Druckluftdose entfernen oder mit einem antistatischen Pinsel abfegen. Bei hartnäckigeren Verschmutzungen und Fingerabdrücken empfiehlt sich ein spezieller Reinigungsstift, wie ihn zahlreiche Hersteller zum Beispiel für die Bildsensorreinigung anbieten. Unbeschädigte Filme, Dias und Abzüge können hingegen getrost mit einem trockenen bis leicht feuchten Mikrofasertuch gesäubert werden, wobei man zur Vermeidung von Kratzern keinen starken Druck auf die Oberfläche ausüben sollte.

Benutze auf jeden Fall ausschließlich Zubehör, der speziell zum Reinigen von Fotos entwickelt wurde. Es gibt spezielle Foto-Emulsionsreiniger und Spezialtücher, die genau zu diesem Zweck entwickelt wurden. Die Inhaltsstoffe sind weniger scharf, so dass die Fotos schonender behandelt werden.

Herkömmliche Reinigungs- oder gar Lösemittel gilt es in jedem Fall zu vermeiden, da diese das Trägermaterial unter Umständen angreifen und somit den Bildinhalt zerstören. Beim Hantieren mit den Fotos sind Baumwollhandschuhe vorteilhaft. Einzelne Staub- und Schmutzpartikel bleiben dennoch unvermeidbar.

Die höheren Kosten für diese Spezialmittel und Ausrüstung sollten in Kauf genommen werden, da ein altes oder gar historisches Foto ein Unikat ist. Falls es bei einer Behandlung mit einem falschen Mittel zerstört wird, ist es unrettbar verloren.

Verklebte Bilder lösen

Aufeinandergestapelte Fotos können im Laufe der Zeit verkleben. Dies passiert vor allem bei Filmen und Abzügen mit glänzend glatter Oberfläche. Idealerweise sind die einzelnen Bilder durch vorsichtiges Abziehen wieder voneinander lösbar. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass die oberste Schicht haften bleibt oder das Papier beziehungsweise das Negativ eingerissen wird.

Mit einem Stück Zahnseide lässt sich die Verbindung noch einfacher trennen. Die Haftfestigkeit kann übrigens verringert werden, indem man die Fotos rund 20 bis 30 Minuten in das Tiefkühlfach legt (Gefrierbeutel verwenden).

Ist bereits eine Ecke oder Seite abgelöst, kann man auch ein spiritusgetränktes Wattestäbchen dazwischenschieben und so das eine Bild vorsichtig vom anderen abreiben. Der Spiritus verfliegt relativ schnell, darf jedoch nicht an beschädigte Stellen gelangen.

Wasserschäden beseitigen

Fotos aufhängen
Die Klammern, anders als in diesem Bild, am Rand und nicht im Bildbereich fixieren

Fotos, die zum Beispiel infolge von Hochwasser, verschütteten Flüssigkeiten oder übermäßiger Luftfeuchtigkeit zusammenkleben, können nur noch sehr schwer oder gar nicht mehr rückstandslos voneinander getrennt werden. In diesem Fall sollte man die am besten noch feuchten Bilder im Klaren, etwa 20 Grad warmen Wasser ein wenig einweichen und vorsichtig ablösen. Unmittelbar danach kommen die Papierabzüge, Dias beziehungsweise Negative in eine milde Netzmittellösung (destilliertes Wasser mit Agepon oder mit ein paar Tropfen haushaltsüblichem Spülmittel), in der sie einzeln 30 Sekunden bis eine Minute lang bewegt werden.

Abschließend müssen die Aufnahmen ohne vorheriges Abspülen an einer Leine oder einem Wäscheständer aufgehängt trocknen, wobei die Wäscheklammer möglichst außerhalb des Bildbereichs anzubringen ist. Achtung: Die feuchten Oberflächen sind jetzt extrem anfällig für Staub und andere Schmutzpartikel.

Historische Fotos und Karten aus dem 19. Jahrhundert sind extrem empfindlich. Bei ihnen sollte man Verschmutzungen lediglich mit Druckluft und Pinsel beseitigen. Alles, was sich damit nicht entfernen lässt, sollte man von einem Profi reinigen lassen. Es gibt Firmen, die sind auf diese Arbeiten spezialisiert.

Fünf Tipps für länger haltbare Fotoabzüge

1. Langlebiges Papier wählen

Inzwischen gibt es unzählige Fotopapiersorten mit verschiedenen Oberflächenstrukturen für matte oder glänzende Ausdrucke. Idealerweise enthält das Druckmedium sehr wenige optische Aufheller und kein Lignin (sorgt für die Vergilbung). Ferner sollte es säurefrei (pH-neutral) sein. Die meisten Varianten für den Heimgebrauch sind übrigens mehrfach beschichtet und nur für bestimmte Druckertypen geeignet.

2. Passende Tinte verwenden

Auch bei der Tinte gibt es teilweise gravierende Unterschiede: Die sogenannte Pigment-Tinte, die vor allem in hochwertigeren Druckern zum Einsatz kommt, weist im Vergleich zur günstigeren, unpigmentierten Dye-Tinte zwar eine etwas schlechtere Farbbrillanz auf, ist dafür aber deutlich resistenter gegen das Ausbleichen. Somit bleiben Bilder länger farbecht.

3. Fotos konservieren

Da sich ultraviolette Strahlung besonders schädlich auf Fotos auswirkt, bieten einige Hersteller wie Hahnemühle, KMP und Tetenal spezielle Fixiersprays an. Der farblose Lack wird direkt auf das Bild gesprüht und schützt es vor Feuchtigkeit, Fingerabdrücken, Schmutz oder vor Ausbleichungen durch UV-Licht. Alternativ kann man auch zu einem Bilderrahmen mit UV-Schutzglas greifen.

4. Vorsichtig behandeln

Obwohl die Sprays einen lange anhaltenden Schutz vor äußeren Einflüssen versprechen, können Fotos trotzdem empfindlich auf Schweiß und andere Flüssigkeiten reagieren. Vermeiden Sie aus diesem Grund vor allem bei wertvollen Originalen oder Einzelstücken häufige Berührungen. Generell sollten Bilder nur am Rand angefasst werden.

5. Richtig aufbewahren

Der Alterungsprozess lässt sich niemals komplett aufhalten. Wer seine Bilder aber auch für künftige Generationen bewahren möchte, sollte digitale Back-ups erstellen und die originalen Abzüge, Dias sowie  Negative an einem völlig dunklen Ort lagern. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sollten dabei so gering wie möglich sein.

Alte Fotos unbedingt trocken und dunkel lagern. Jede Form von UV-Licht und Feuchtigkeit sind neben Staub und Dreck die ärgsten Feinde von Fotoschätzen und historischen Bildern. Ein Umschlag oder Karton in einer dunklen Schublade ist eine sehr gute Aufbewahrungsmethode. Als Ergänzung kann man ein paar Silicat-Gel-Säckchen dazutun. Das ist eine hervorragende Weiterverwendung für die Säckchen, die man aus allen möglichen Verpackungen kennt und die man normalerweise achtlos wegwirft. Diese in den Karton mit den Fotos packen und man entzieht der direkten Umgebung der Fotoschätze unerwünschte Feuchtigkeit.

Beim Digitalisieren und Archivieren unbedingt auf die Lebensdauer der Speichermedien achten. Es fing mit der Transformation von alten VHS Kassetten an, ging dann mit den CDs und Blu-Ray weiter und ist heute bei Festplatten angekommen.

Jedes dieser Speichermedien hat eine begrenzte Lebenserwartung. Deshalb sollte man ab und zu prüfen, ob die Qualität der gespeicherten Daten noch passt und abrufbar ist. Die Angaben sind die durchschnittliche Lebensdauer der Speichermedien. Es kann unter schlechten Bedingungen wie Wärme, Feuchtigkeit, Licht, Kratzer oder anderer negativer Einflüsse zu einer bedeutend kürzeren Lebensdauer kommen. Deswegen lieber früher als zu spät prüfen und gegebenenfalls das Speichermedium erneuern oder tauschen.

  • CD 30 Jahre
  • DVD 30 Jahre
  • Blu-Ray 50 – 100 Jahre
  • Festplatte intern: 5-10 Jahre
  • Festplatte extern 10 Jahre
  • SSD 10 Jahre
  • USB Stick 30 Jahre
  • Cloud unbegrenzt

Wer in den 90er beispielsweise Fotos auf CD gebrannt hat, könnte irgendwann in nächster Zukunft eine böse Überraschung erleben. Ein neues Speichermedium zu nutzen bzw. eine neue CD zu brennen, ist schnell und einfach zu erledigen. Und man hat seine Fotos für die die nächsten 25 – 30 Jahre wieder gesichert. Deswegen lieber zu früh als zu spät neu archivieren und dabei das Datieren des Speichervorgangs nicht vergessen.

Fazit

Alte Fotos bewahren einmalige und unersetzliche Erinnerungen. Sie sind einem Alterungsprozess unterworfen, der verzögert, aber nicht aufgehalten werden kann. Eine Digitalisierung ist sinnvoll, diese sollte je nach Lebensdauer des Speichermediums in gewissen Abständen wiederholt werden.

Bei der Reinigung alter Fotos unbedingt Spezialmittel und Zubehör für Fotos benutzen, damit diese nicht beschädigt werden. Ein altes Foto ist ein unersetzliches Unikat. Auch bei der Reproduktion der Fotoschätze auf geeignete, hochwertige Materialien und beste Qualität von Fotopapier, pigmentierte Tinte und Fixierspray achten.

Bei allen hartnäckigen Flecken und Verkrustungen ist es besser, einen professionellen Fotoservice zu kontaktieren. Es ist cleverer, ein bisschen Geld für solch einen Service auszugeben, als ein Foto mit dem falschen Mittel zu beschädigen oder sogar zu zerstören.

Alte Fotos trocken und dunkel lagern. Feuchtigkeit und UV-Strahlen sind die natürlichen Feinde von alten Fotos und reduzieren die Lebensdauer erheblich.

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