Fairphone mischt den Markt auf – Video

Features des Fairphone

Beim Fairphone handelt es sich zunächst einmal um ein ganz normales Smartphone, welches unter dem Betriebssystem Android in der Version 4.2 Jelly Bean läuft. Dank Quad-Band-GSM kann das Gerät in nahezu allen Ländern auf der gesamten Welt für das mobile Telefonieren verwendet werden. Das Phone verfügt über zwei Steckplätze für SIM-Karten. Der Anwender wird dadurch in die Lage versetzt, zwei Mobilfunkanschlüsse gleichzeitig in einem Gerät betreiben zu können.

Unter den Audio-Formaten befindet sich auch der für eine bessere Sprachqualität bei Handy-Telefonaten im UMTS-Netz (HD-Voice) genutzte AMR-WB-Standard. Das Fairphone unterstützt für mobile Datenübertragungen sämtliche Standards wie beispielsweise eine 3,5-mm-Buchse für ein Headset, Bluetooth, GPS, Micro-USB, GPRS und UMTS mit DC-HSPA+ und WLAN mit DLNA. Hingegen fehlen Standards wie HDMI, LTE und NFC.

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Weitere technische Details

Das faire Handy kommt mit einem großen TFT-Touchscreen von 4,3 Zoll daher und löst mit 960 x 540 Pixeln auf. Es verfügt über eine Pixeldichte von 256 ppi und einer Oberfläche aus kratzfesten Dragontail-Glas. Ausgestattet ist das Smartphone mit einem Quad-Core-Prozessor von Mediatek mit einer Taktung von 1,2 Gigahertz und einem Arbeitsspeicher von einem Gigabyte. Es steht ein interner Speicher von 16 Gigabyte zur Verfügung. Mittels einer microSD-Karte kann der interne Speicher auf bis zu 32 Gigabyte erweitert werden. Das Fairphone bietet eine Digitalkamera mit einer Auflösung acht Megapixeln, ausgestattet mit Autofokus, CMOS-Sensor und Videoaufnahme in Full-HD-Qualität von 1080 p. Des Weiteren ist eine Frontkamera von 1,3 Megapixeln für Videotelefonate mit an Bord. Im Inneren des Geräts befinden sich außerdem Sensoren wie zum Beispiel ein Beschleunigungs-, ein Helligkeits- und ein Näherungssensor. Weiterhin sind ein Gyroskop und ein digitaler Kompass verbaut.

Der Hersteller legt über das Android-OS eine offene Benutzeroberfläche von Kwame, welche einige spezifische Funktionen zur Verfügung stellt. Ebenso lässt sich das Fairphone rooten, damit der Anwender in die Lage versetzt wird, sich bei Bedarf für ein alternatives Betriebssystem entscheiden zu können oder ein Custom-ROM für Android aufspielen zu können.

In dem Fairphone befindet sich ein auswechselbarer, starker Akku mit einer Leistung von 2000 mAh.

Video zum Thema: Fairphone

Kosten und die Verfügbarkeit

Das Fairphone kostet 325 Euro, wird ohne Vertrag vertrieben und kann mit einer klassischen SIM-Karte eines jeden Mobilfunkanbieters betrieben werden. Ab dem Spätsommer sollen die ersten 20 000 Fairphone von den Fließbändern laufen, so dass im Herbst 2013 mit einer Auslieferung derselben an die Kunden gerechnet werden kann. Bisher sind Bestellungen nur aus dem europäischen Raum möglich. Ab dem Jahr 2014 soll das Fairphone dann auch dem  freien Handel zur Verfügung stehen.

Die Produktion

Die Macher des Gerätes wollen verschiedenes anders machen als Apple, Nokia, Samsung & Co. Bei den Zulieferern und in den Fabriken des Auftragsfertigers A’Hong in Shenzhen and Chongqing sollen wesentlich bessere Arbeitsbedingungen herrschen und faire Löhne an die Arbeiter gezahlt werden. Fairphone möchte nicht mit zu niedrigen Löhnen und regelmäßig durchgeführten Überstunden der Arbeiter, gesundheitlichen Gefährdungen von Arbeitern durch den Kontakt mit Giftstoffen, Kinderarbeit oder gar Suiziden in den Fabriken Fairphone Verbindung gebracht werden. Des Weiteren will das Unternehmen die für die Handy-Produktion gewonnen Rohstoffe aus konfliktfreien Minen beziehen. Damit es den Kunden ermöglicht wird nachzuvollziehen, wie fair das Fairphone hergestellt wird, soll eine Transparenz an den Tag gelegt werden. Auf der eigenen Website sollen Informationen über die Beschaffenheit des Handys, die Partner und die Herkunftsorte der Komponenten und Rohstoffe offen dargelegt werden.

Das faire Phone setzt auf Standard-Anschlüsse für beispielsweise Kopfhörer und das Ladegerät. Diese werden nur auf speziellen Wunsch des einzelnen Kunden gegen eine zusätzliche Bezahlung mitgeliefert. Der Akku des Fairphone kann ausgetauscht werden. Dadurch ist eine längere Lebensdauer des Geräts gewährleistet. Zudem sollen sich auch weitere Bauteile über Fairphone nachkaufen und leicht austauschen lassen. Letztlich engagiert sich das Unternehmen auch beim Thema Recycling: Für jedes zurückgegebene Alt-Fairphone gehen 3 Euro an eine Initiative zum Entsorgen von Elektromüll in Ghana. In Zukunft wird es auch eine Rückkaufmöglichkeit für das Fairphone geben.

Die Macher dahinter

Im Jahr 2010 startete Fairphone als Aufklärungs-Projekt zum Thema Rohstoffe aus Konfliktgebieten für elektronische Geräte. Das Team um Bas van Abel von Waag Society und Peter van der Mark von Schrijf-Schrijf mussten allerdings feststellen,  dass ein entsprechendes Produkt benötigt wird, um die Zusammenhänge von Rohstoffgewinnung, Produktion, Vertrieb und Recycling besser erklären zu können. Hierfür wurde das Start-up Fairphone gegründet, dessen Mitarbeiterzahl immer noch im einstelligen Bereich liegt. Um – eigenen Angaben zufolge – nach Möglichkeit unabhängig zu bleiben und den eigenen Idealen folgen zu können, sucht Fairphone keine Unterstützung von mehreren großen Investoren, sondern verfolgt eine Art Crowdfunding-Ansatz – erst ab einer Mindestanzahl an Bestellungen geht das Fairphone in die Produktion. Überschüsse sollen später zu einem Teil in die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Zulieferkette einfließen.

So bewertet eine Entwicklungs- und Umwelt-Organisation das Smartphone

Johanna Kusch von Germanwatch bezeichnete in einem Interview mit dem O’Reilly-Verlag das Fairphone als „sehr wertvolles Projekt“, das Aufmerksamkeit für das Thema faire Handys schaffe und Signalwirkung in der Branche haben könne. Sofern Fairphone mit seinem Konzept Erfolg habe, würde sich die Frage stellen, wozu erst die großen Handy-Hersteller in der Lage wären. Das Fairphone ist nach Einschätzung von Kusch allerdings noch weit von einem wirklich fairen Handy entfernt. Das niederländische Start-up hinter Fairphone habe noch einige Probleme zu lösen, die vor allem die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette betreffen. Die Produktion des Fairphone dürfte beispielsweise nicht in kleinen chinesischen Fabriken, sondern müsste durch einen großen Hersteller erfolgen.

Erfolgsaussichten

Fairphone kann noch so hohe Ambitionen hegen und in seinen Bemühungen, ein möglichst fair produziertes Smartphone zu produzieren, noch so erfolgreich sein. Ziehen aber die Nutzer von Smartphones nicht mit, so ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Fairphone ist auch nur ein Unternehmen, welches Handys verkaufen muss. „Das Fairphone ist nicht das beste Smartphone im Markt, aber es ist gut genug“, sagt Fairphone-Gründer Bas van Abel treffend. Interessierte Anwender, die das Fairphone und seinen Verkaufspreis mit Smartphone-Modellen anderer Hersteller vergleichen, sollten stets bedenken, dass sie beim Fairphone nicht nur für die Technik und die Features bezahlen, sondern mit ihrem Geld auch andernorts für bessere Arbeitsbedingungen und umweltschonendere Rohstoffgewinnung sorgen.

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