Sat-over-IP – Das steckt hinter der Technik

In diesem Artikel zeigten wir, was es Neues auf dem Fernsehmarkt gibt. Aber auch die Technik, welche die Fernseher mit Bildmaterial versorgt entwickelt sich weiter. Eine dieser neueren Techniken ist Sat-over-IP. Bei der Sat-over-IP-Technik handelt es sich sowohl um eine IP-basierte Architektur, als auch um ein dazugehöriges Sat-over-IP-Protokoll. Mit diesen beiden Komponenten können über ein lokales Netz digitale Satellitensignale verteilt und / oder empfangen werden. Umgangssprachlich wird die Sat-over-IP-Technik auch „Sat-IP“ oder auch „Sat>IP“ genannt. Diese Technologie stellt eine Alternative zu der bisher häufig genutzten Verteilung von Zwischenfrequenzen der sogenannten DVB-S(2)-Singale via Koaxialkabel dar, welche auf HF basierte. Nutzerinnen und Nutzer der Sat-over-IP-Technik können eine große Bandbreite digitaler TV-Programme abrufen und darüber hinaus auch weitere digitale Dienste in Anspruch nehmen.

Wie funktioniert die Sat-over-IP-Technik?

Die Funktionsweise der Sat-over-IP-Technik ist technisch raffiniert. Ein Sat-over-IP-System greift die DVB-S- bzw. DVB-S2-Signale ab und wandelt diese in ein kompatibles Format um. Die Daten werden demnach konvertiert. Die auf dieser Art und Weise gewonnenen Daten werden in sogenannte IP-Pakete zusammengefasst, welche im Anschluss über ein vorhandenes (lokales) Netzwerk – wie bei dem IPTV üblich – verteilt werden. Ähnliche Pakete werden auch beim Videostreaming über das Internet verwendet.

Sat over-IP Übersicht
Sat over-IP Übersicht

Die gängigen Sat-TV-Anlagen setzen die empfangbaren Sat-Daten auf eine dafür vorgesehene Zwischenfrequenz um. Dies ermöglicht die Verteilung über die vorgenannten Koaxialkabel. Die hierbei entstandenen HF-Signale werden an den Satellitenreceiver bzw. die Set-Top-Box gesendet und können darüber entsprechend empfangen werden.

Die Sat-over-IP-Technik hingegen nutzt ein anderes Verfahren. Sie kann die digitalen Satelliten-TV-Signale, die über ein LNB zur Verfügung gestellt werden, auf direktem Wege in entsprechende IP-Signale umsetzen bzw. übersetzen und umgehend an das vorhandene Daten-Netzwerk weitertransportieren. Die digitalen Satelliten-Signale lassen sich somit an sämtlichen Multimedia-IP-Geräten des jeweiligen Haushalts empfangen bzw. bearbeiten. Positiv hervorzuheben ist hierbei die Tatsache, dass ein bereits vorhandenes Datennetzwerk für die Verbreitung bzw. Verteilung von Satellitensignalen genutzt werden kann. Nutzerinnen und Nutzer der Sat-over-IP-Technik müssen somit nicht zwingend ein eben solches Netzwerk neu aufbauen, sofern bereits entsprechende Technik für andere Zwecke vorhanden ist. Der Aufbau eines Koaxialkabelnetzwerkes ist mit der Verwendung der Sat-over-IP-Technik obsolet.

Satellitenschüssel
© Axel Schwenke – flickr.com

Die Sat-over-IP-Technik wurde erstmals auf der fünften SES-Industry-Days-Konferenz vorgestellt. Entsprechende Gerätschaften, die diese Technik unterstützten, folgten im Jahre 2012. Hiermit kann jede IP-fähige Multimediagerätschaft als Satelliten-IP-Empfänger genutzt werden. In erster Linie richtet sich die Sat-over-IP-Technik an die Satelliten-TV-Verteilung in einem Wohnhaus. Die verschickten Signale können somit in verschiedenen Räumlichkeiten – ohne einen spürbar zeitlichen Verzug – genutzt werden. Darüber hinaus ist das Verfahren auch für größere Mehrfamilienhäuser sinnvoll. Hierbei muss lediglich sichergestellt werden, dass sich sämtliche Wohnparteien innerhalb desselben Netzwerkes befinden. Grundsätzlich ist der Einsatz der Sat-over-IP-Technik überall da als sinnvoll zu erachten, wo sich bereits ein flächendeckendes IP-Netzwerk befindet.

Das Protokoll, welches für den Betrieb der Sat-over-IP-Technik notwendig ist, wurde von den Sat-over-IP-Projektpartnern, dem Sender BSkyB, dem Satelliten-Betreiber SES S.A. und verschiedenen weiteren Unternehmen konzipiert und entwickelt. Künftig soll die Technik des Sat-over-IP-Verfahrens international bzw. global zum Standard ausgebaut werden. Der erste Konverter, der die Sat-Signale in die benötigten IP-Signale umwandelt, wurde von Inverto Digital Labs entwickelt. Hierbei handelt es sich um eine in Luxemburg vertretene Software- und Set-Top-Boxen-Firma.

Für einen funktionsfähigen Stream ist ein entsprechend ausgebautes Netzwerk zwingende Voraussetzung. Die benötigte Bandbreite des Netzwerks beträgt hierbei für einen SD-Stream ca. 10 Mbit/s, für einen HD-Stream ca. 30 Mbit/s. Sollte dieser Standard nicht dauerhaft erfüllt werden, so wird die Bildübertragung unter Umständen von Zeit zu Zeit ruckeln, stocken und / oder aussetzen.

Welche Sat-over-IP-Server sind bereits erhältlich?

IDL400S Multibox ServerDer erste sich im Verkauf befindliche Sat-over-IP-Server ist der IDL400S Multibox Server. Dieser wurde von der Firma Inverto entwickelt und produziert. Das Gerät basiert in Gänze auf einem Linux-Kern. Hiermit können maximal vier Radio- und / oder TV-Programme an bis zu vier anfragende Clients gesendet werden. Das bekannte DLNA-Protokoll wird im vollen Umfang unterstützt.

Das zweite Gerät, welches käuflich zum Erwerb angeboten wurde, war der Zinwell ZIM-1800 SAT>IP-Switch / -Server. Auch dieses wurde offiziell für die Sat-over-IP-Technik zertifiziert.

Triax TSS400In den Jahren 2012 und 2013 wurden weitere unterstützte Geräte vorgestellt, hierunter z. B. die Triax TSS400 Server, die GSS DSI400 Server, die Schwaiger MS41IP + MS51IP Server sowie die Telestar Digibit R1 Server.

Welche Sat-over-IP-Clients sind bereits erhältlich?

Aufgrund der multimedialen Vernetzung und Aufrüstung im Softwarebereich sind bereits einige Clients für die Sat-over-IP-Technik erhältlich. So kann beispielsweise aus nahezu jedem Smartphone ein entsprechender Client gemacht werden. Hierfür muss lediglich eine dafür vorgesehene App – wie z. B. Elgato oder VLCPlayer – installiert werden. Darüber hinaus kann jeder handelsübliche PC mit entsprechender Software (Windows Media Player, DVBViewer, Xbox Media Center, verschiedene Konsolen etc.) als Client verwendet bzw. genutzt werden. Auch erste Set-Top-Boxen mit Sat-over-IP-Client-Technik sind bereits im Einzelhandel zu erstehen.

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